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Mission "Massai": Back from Africa

Wer sich in unseren Breiten eine neue Küche leistet, erwartet langlebige Schönheit, Funktionalität und absolute Perfektion. Aus dem früher so schlichten Arbeitsplatz ist ein Hightech-Wohlfühlraum geworden, sogar notorische Pizzadienst-Kunden gönnen sich heute ein Prestigeobjekt, um das sie der Rest der Welt beneidet.

Dass es uns im Vergleich mit Entwicklungsländern unglaublich gut geht, wird gerade beim essentiellen Thema „Nahrungszubereitung“ besonders deutlich: Wo bei uns mit Hochwert-Equipment im Biomarkt gekaufte Produkte verköchelt werden, verfügt man dort nur über rudimentärste Möglichkeiten, um aus den meist selbst angebauten Grundnahrungsmitteln ein nahrhaftes Essen herzustellen.

Wie groß der Unterschied zu unserem gewohnten Standard ist, kann man sich nur schwer vorstellen, umso interessanter und eindrucksvoller war nun für Ofenrat Andreas Zapfe die Erfahrung, solch ursprüngliche Lebensbedingungen in einem Massaidorf live zu erleben.

Den uns so vertrauten Elektroherd ersetzt hier ein einfaches Lagerfeuer, das von wenigen Steinen umrandet mitten in der Hütte vor sich hinbrennt. Schornstein gibt es keinen, auch auf ein Loch im Dach wird aus Schutz vor ungebetenem Tierbesuch verzichtet – nur ein paar etwa handgroße Öffnungen in den Wänden sorgen dafür, dass man während des Kochens nicht erstickt.

Die Nebenwirkungen sind natürlich verheerend. Nicht nur die hohe Verletzungsgefahr macht den Menschen zu schaffen, vor allem Lungenprobleme, Bindehautentzündung, sogar Raucherbeine sind hier an der Tagesordnung. Auch die Zubereitung eines gesunden Essens ist schwierig: Herunterfallende Partikel der rußgeschwärzten Decke und das ständige Hantieren mit rußige Töpfen kontaminiert alles, was schmecken und dem Körper Gutes tun sollte.

Nachdem sich schon der Münchner Verein „Die Ofenmacher e.V.“ weltweit mit großem Erfolg dieses Problems angenommen hat, haben Andi, Stefan Könsgen von SOC!ALTOURIST und das Studentenpärchen Mareen und Nils versucht, die Kochsituation der Massai im kenianischen Amboselli ein wenig zu verbessern.

Los ging`s mit einem intensiven Trainingstag in einem Dorf unweit der Olpejeta-Conservancy. Um das Rad nicht neu erfinden zu müssen, folgten sie dem Konzept der „Ofenmacher“ und ließen sich von den dort ansässigen, schon erfahrenen Lehmofenbauern mit allen Informationen versorgen, die sie für die kommenden Tage brauchen. Zumindest war das der Plan – aber ganz so einfach sollte es nicht werden. Der Bau der überraschend durchdachten Feuerstelle ist an sich kein Problem – doch mit was bauen, wenn nichts da ist ? Was sich europäische Ofenbauer in bester Qualität frei Haus liefern lassen können, muss man sich woanders als Rohstoff aus der Erde buddeln, ausgiebig testen und letztlich die benötigten Teile selber produzieren.

Der erste Schritt zur neuen Küche war also ein Fußmarsch durch`s Umland, bewaffnet mit Spaten, Säcken und reichlich Sonnenlotion. Im Team mit den Massai war es zwar recht einfach, insgesamt 6 verschiedene Lehmsorten aufzutreiben, die richtige Mischung herauszufinden war dann umso komplizierter. Von mehr als zwei Dutzend Mixturen erwies sich nur eine als echter Hoffnungsträger: Hart, formstabil und zumindest im Trocknungsprozess nahezu rissfrei.

Schön langsam begann der bunten Truppe nach all der Mischerei zu dämmern, dass der Zeitplan für Ofenbau und(!) Materialproduktion ein wenig zu optimistisch war – also schickten sie ihren Fahrer Joseph los, die fertig getrockneten Steine von den Jungs aus Olpejeta zu holen.

Gleich nach dem Eintreffen des Materials startete dann das „Jigo-Building“ bei der 10köpfigen Massaifamilie, die sich für das Pilotprojekt bereiterklärt hat. Der Standort für den Jigo – Suaheli für „Ofen“ - war schnell gewählt, die Auswahl in der beengten Hütte war denkbar klein, aber wie gemacht für das Vorhaben: Im Hauptraum, von der Größe her ideal und direkt an der Außenwand gelegen.

Nach zwei Tagen stirnlampenerhellter Lehmbatzerei war Hausherrin Sisita dann vollends begeistert. Wo vorher ein schlichtes Lagerfeuer die Hütte verqualmte, lässt sich jetzt schneller, sicherer und nahezu rauchfrei mit zwei Töpfen gleichzeitig das Essen zubereiten. Und bei dem einen Ofen wird`s laut Leonard, Sisita`s Bruder und Fürsprecher des Dorfes, wohl nicht bleiben. Schon beim Einweihungsfest haben sich die Vorteile des Jigo`s in der mehr als ein Dutzend Großfamilien umfassenden Gemeinschaft herumgesprochen, das Interesse an dieser effektiven und ungefährlichen Neuerung ist riesig.

In gemeinsamer Arbeit mit SOC!ALTOURIST und den „Ofenmachern“ gilt es nun, in den nächsten Jahren talentierte Massais in Sachen Materialproduktion und Ofenbau zu schulen und dieses Handwerk, diese für alle im Dorf so positive Erwerbsmöglichkeit zu etablieren.

Ob Sie sich tatkräftig oder finanziell mit engagieren möchten oder uns einfach nur die Daumen drücken – Hilfe können wir für dieses nachhaltige Projekt richtig gut gebrauchen...

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Kommentar von Kai Schumann |

Klasse Aktion, wünschte mir dabei gewesen zu sein.
Hut ab vor diesem Engagement.